• Sag mir, wo du stehst

    Dokumentation des Diskussionsbeitrages des AFBL der Veranstaltung am 29.11.2016 im Conne Island

  • Lange Zeit galt Leipzig als Hochburg der israelsolidarischen Linken. Während es in den alten Bundesländern eine außerparlamentarische, altlinke, antiimperialistische Tradition gab, die sich traditionell gegen Israel richtete, war das in den sogenannten neuen Bundesländern – insbesondere in Leipzig – etwas anders. Ob das Fehlen der Alt-68er der einzige Grund war, sei dahingestellt, aber in Leipzig etablierte sich insbesondere während der zweiten Intifada rund um das Conne Island eine israelsolidarische Linke und eine israelsolidarische Antifa. Zugleich entstand eine Diskussionskultur, in der galt (und hoffentlich auch noch immer gilt), dass man trotz tiefgreifender Konflikte und harter, inhaltlicher Auseinandersetzungen dennoch miteinander diskutiert. In den letzten Jahren ist es in Bezug auf das Thema Israel stiller geworden.

    CEE IEH #239 März 2017 Weiter lesen ...
  • Das Unbehagen mit dem Sternchen

    Die feministische Sprachkritik ist mehr als eine Frage der Zeichen.

  • Ein Junge wird von einem Auto angefahren und ins Krankenhaus eingeliefert. Einer der anwesenden Ärzte sagt geschockt: »Ich kann dieses Kind nicht behandeln, das ist mein Sohn.« Doch der Vater des Patienten ist gar kein Arzt.

     

    Wie sich dieses Rätsel lösen lässt? Einige sollten nur Sekundenbruchteile für die Lösung benötigen. Nämlich all jene, die meinen, es gäbe ein Generikum, das – obwohl grammatikalisch männlich – die weibliche und männliche Bedeutung einschließt und transportiert. Vermutlich müssen die meisten länger überlegen.

    Jungle World Januar 2016 Weiter lesen ...
  • Das strukturelle Patriarchat

  • Es geht um die Frage nach dem gegenwärtigen gesellschaftlichen Geschlechterverhältnis und wie es am besten beschrieben und benannt werden kann. Entsprechend wird im Folgenden der Versuch unternommen einen systematischen Begriff zu skizzieren, der Funktions- und Strukturmechanismen des gegenwärtigen Geschlechterverhältnisses in den Fokus nehmen kann: das strukturelle Patriarchat. Dieser Begriff wird in Aufnahme und Kritik insbesondere des Konzeptes der heteronormativen Matrix, wie Judith Butler es 1990 einführte, konturiert. Daher wird die Frage, was unter dem strukturellen Patriarchat zu verstehen ist, auch erst an eine Skizze des Konzeptes von Butler anschließend genauer aufgenommen.

    Maulwurfsarbeit II Oktober 2012 Weiter lesen ...
  • F und Antifa

    Zu Geschlechterrollen und (Alltags-)Sexismen in der Szene

  • Es ist mal wieder Dienstagabend halb neun, eigentlich sollte das Plenum längst begonnen haben, aber wie das so ist, zieht sich der Beginn. Es wird geplaudert. Die Neuen in der Runde sind verunsichert, wissen nicht so recht woran sie sind, können nicht mitreden. Eingefahrene Gruppenstrukturen eben. Es ist eine komische Situation. Aber nicht nur durch das Neusein kann einer_m eine blöde Rolle in der Gruppe zugewiesen werden. (Alters-)Hierarchien und Coolness-Fragen spielen da häufig mit rein. Die einen schaffen es schneller in die Strukturen als andere. Aber warum? Die erwähnte Unsicherheit spielt bestimmt eine große Rolle. Selbstsicheres Auftreten wird gern gesehen, das sind die Leute auf die man sich verlassen kann!

    Nun, was hat das mit Geschlechterrollen und Stereotypenbildern in der Antifa zu tun? Nichts? Das wäre schön! Das Plenum beginnt. Es steht an eine Podiumsdiskussion zu organisieren.

    Antifa Kalender 2013 Oktober 2012 Weiter lesen ...
  • 20 Jahre Nebenwiderspruch

    Die Linke und der Feminismus

  • Dokumentation des Beitrags des AFBL zur Veranstaltung „20 Jahre Nebenwiderspruch“ am 29.09.2011 im Conne Island.

    Warum wird das Thema Feminismus in weiten Teilen der Linken nach wie vor mit spitzen Fingern angefasst? Diese Frage stand am Anfang der Überlegungen zu unserer Veranstaltung 20 Jahre Nebenwiderspruch – die Linke und der Feminismus. Wie kommt es, dass es kaum explizite schriftliche Äußerungen zu den Themen Antisexismus und Feminismus in der Leipziger Linken (im Umfeld des Conne Island) gibt? Wird das Thema nicht diskutiert? Oder gibt es Hemmschwellen, die eigenen Überlegungen zu veröffentlichen? Und wenn das der Fall ist, warum ist das so? Die üblichen Reaktionsweisen auf antisexistische und feministische Texte und Interventionen reichen von Wortlosigkeit bis Polemik. Das zeigt zumindest Eines sehr deutlich: Es wird Zeit, dass das Ganze mal auf den Tisch kommt.

    CEE IEH #191 Dezember 2011 Weiter lesen ...
  • Frauen in der DDR

    Gleiche Rechte – doppelte Pflichten?

  • Wie gleichgestellt oder sogar emanzipiert Frauen in der DDR waren, ist nicht einfach zu beantworten. Es scheint, jedes Argument provoziert ein „ja, aber andererseits“ woraufhin ein „und dennoch“ folgen kann. Mit der Diskussion der offiziellen Frauenpolitik, von Geschlechterbildern und von Frauengruppen in der DDR machen wir ein Spannungsfeld auf, in dem wir eine Antwort auf die Frage suchen (1).

    Wenn über Gleichstellung in der DDR gesprochen wird, ist das Hauptargument die hohe – und selbstverständliche – Berufstätigkeit von Frauen. Tatsächlich war die geforderte Norm die der lohnarbeitenden Mutter, zum einen weil es einen beständigen Mangel an Arbeitskräften gab (insbesondere nach der Ausreisewelle bis zum Anfang der 60er Jahre), zum anderen aber auch, weil dies dem sozialistischen Ideal entsprach.

    outside the box #1 Dezember 2009 Weiter lesen ...
  • Im Verhältnis

    Eine Begriffsdiskussion zu heteronormativer Matrix und Patriarchat

  • Wenn das Geschlechterverhältnis heute auf einen Begriff gebracht werden soll, stehen zwei Konzepte scheinbar in Konkurrenz: Patriarchat und heteronormative Matrix. Die Frage, die beide zu beantworten versuchen, ist die nach dem gesellschaftlich wirkmächtigen Strukturprinzip im Geschlechterverhältnis. Das Patriarchat geht von einem binären Geschlechterverhältnis aus und betont die Hierarchie der Geschlechter. Die heteronormative Matrix denaturiert diese Binarität und kritisiert die heterosexuelle Norm.

    Im Folgenden werden beide Konzepte kurz umrissen. Dann wird auf die Herleitung des Begriffs der Matrix bei Butler in Abgrenzung zum Patriarchatsbegriff eingegangen, um anschließend »Patriarchat« auf Kompatibilität mit der Vorstellung der Konstruiertheit von Geschlecht zu untersuchen. Dabei ist vorausgesetzt, dass die beiden Begriffe zu unterschiedlichen Politikfeldern gehören, die aber durchaus eine Schnittmenge haben.

    Phase 2: 32 Sommer 2009 Weiter lesen ...
  • Raus aus der Comfort Zone

    Für eine feministische Position in antideutscher Gesellschaftskritik

  • Dieser Text wurde in der Jungle World unter dem Titel "Unterm Klebeband. Ein Plädoyer für einen Feminismus in der antideutschen Gesellschaftskritik" veröffentlicht.

    Der antideutschen Kritik ist es unter anderem zu verdanken, dass in einem langwierigen Prozess bis dato zumeist selbstverständliche linke Standards nicht unreflektiert blieben. Diese Banalität ist weiter reichend, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Waren sich Linksradikale in den Achtzigern noch sicher, dass das große Übel aus den USA käme, und wähnte man sich in den Neunzigern gegen die Neonazis immer auf der richtigen Seite, wurde es mit der die Linke zweifellos spaltenden Diskussion möglich, das eigene Tun und die erworbenen Theorieversatzstücke grundlegend infragezustellen. Nicht zufällig entspann sich die hitzigste – und differenzierendste – Auseinandersetzung mit der Ausrufung der zweiten Intifada.

    Jungle World #49 Dezember 2008 Weiter lesen ...
  • Keine Kerze für Deutschland

  • 09.10.2008: Mit Kerzen, Lampions und Gebeten feiert Leipzig zum wiederholten Mal sich selbst und seinen Ruf als „HELDENSTADT“. Erneut bestätigen sich die Ostdeutschen gegenseitig ihre Friedfertigkeit, ihr Streben nach Freiheit, ihren Willen zur Demokratie und – in erster Linie – ihren Stolz, Deutsche zu sein. Schließlich waren es (im hiesigen Verständnis) allein die EinwohnerInnen dieser Stadt, die im Oktober 1989 „NATIONALGESCHICHTE GESCHRIEBEN [HABEN] UND DEN WEG ZUR EINHEIT DEUTSCHLANDS FREI“ [machten] . Am 3. Oktober 1990 hatten sie endlich ihr Ziel erreicht: Die deutsche Volksgemeinschaft wurde wiedervereinigt.

    Auch wenn sich einige DDR-WiderständlerInnen nicht vorrangig die deutsche Wiedervereinigung zum Ziel setzten, sondern prinzipielle Kritik am DDR-Regime übten, ist sicher, dass der größte Teil der 70.000 am 9. Oktober 1989 in Leipzig Demonstrierenden für Bananen, Mallorca-Urlaub und die Einheit Deutschlands auf die Straße ging.

    Oktober 2008 Weiter lesen ...
  • Es gibt nichts zu feiern!

    Redebeitrag bei der Ladenschluss! Demonstration am 03.10.2007

  • Heute ist der 3. Oktober, Tag der deutschen Einheit und Deutschland feiert sich. Nur ein paar Meter von hier klopfen sich die friedlichen Revolutionär_innen auf die Schultern und beglückwünschen sich dazu, dass ihr Mut und ihre Beharrlichkeit das einig Vaterland herbeigeführt hat.

    Für uns ist klar: Es gibt hier nichts zu feiern! Die NPD in mehreren Landtagen, d.h. an den Geld-Vergabe-Stellen, rassistische Hetzen auf den Dörfern und eine Normalbevölkerung, die froh ist, wieder stolz sein zu dürfen auf IHRE Stadt und IHR Land.

    Leipzig behauptet ausdauernd und besonders gern von sich, anders zu sein, eine Oase im braunen Sachsen. Weltoffenheit und Toleranz seien die Eigenschaften, die Leipzig auszeichneten, als ultimativer Beweis muss immer wieder und bis zum Erbrechen die Fußballweltmeisterschaft herhalten.

    Oktober 2007 Weiter lesen ...