Dass der Kapitalismus ein Geschlecht hat, ist fraglos. Sein grammatikalisches (männlich) und soziales (patriarchal) stimmen — bisher — überein. Aber benötigt er zwingend ein Geschlecht bzw. ein hierarchisches Geschlechterverhältnis? Kann eine kapitalistische Gesellschaft ohne Geschlechtszuschreibungen funktionieren oder braucht sie die Dichotomien für den reibungslosen Ablauf?
Obwohl die feministische Theorie voll von Auseinandersetzungen mit dem Kapitalismus ist, wird die Frage, ob das Patriarchat ihm immanent ist, auffallend selten gestellt. Es wird einfach davon ausgegangen.
Im feministischen Kontext bezweifelt niemand die Existenz einer Hierarchie im Geschlechterverhältnis. Jede Statistik, jedes noch so kleine Untersuchungsfeld offenbart eine geschlechtliche Asymmetrie — in der Regel zu Ungunsten von Frauen. Uns begegnet das, was wir bereits in unserem Text Das strukturelle Patriarchat benannt haben, in der Gesellschaft allerorts. Doch strukturell heißt nicht notwendig systemisch, eine Unterscheidung, die wir für essentiell halten. Denn Strukturen sind veränderbar — auch systemimmanent.
Wir wollen die Frage, ob der Kapitalismus ein Geschlecht zwingend benötigt, diskutieren, mit dem Wissen, dass es eine theoretische ist, bei der es nicht um eine Zustandsbeschreibung der aktuellen gewaltvollen, patriarchalen Gesellschaft geht. Will heißen, wir wissen selbstverständlich um den untragbaren Status Quo, was das Geschlechterverhältnis betrifft. Gleichzeitig wissen wir um die erkämpften Verbesserungen mindestens seit der ersten Frauenbewegung Anfang der 1920er. Und um diverse Verschiebungen der Blickwinkel, weil feministische Theorie in Deutschland viel zu lange und ausschließlich westlich sozialisierte, weiße, bürgerliche, cisgender Frauen als politisches Subjekt gesetzt hat. Wir halten an den Begriffen Frauen und Männer fest, weil eine binäre Geschlechterhierarchie die Gesellschaft prägt, in der wir leben, unabhängig von der tatsächlichen Identität einer Person und auch weil die Mehrheit der Menschen sich selbst einem der zwei Geschlechter zuordnet. Geschlecht ist nicht das einzige prägende Identitätsmerkmal, das Menschen kategorisiert und ihnen strukturell einen Platz innerhalb der Gesellschaft zuweist. Dennoch ist es eine Kategorie, in die jede:r eingeordnet wird und die notwendig zu beachten ist, wenn gesellschaftliche Verhältnisse analysiert werden sollen. Wir benutzen die Begriffe ohne Zusätze von Sternchen oder Unterstrich, weil das die harte Realität der Kategorisierung ist, die nicht zu beschönigen ist. Das bloße Nennen von zwei Geschlechtern schreibt diese nicht fest, im Gegenteil: Wer sich der Begriffe selbst beraubt, verbaut sich einen wahrhaftigen Blick auf die Zustände und kann sie nicht einmal mehr beschreiben. Um zum Beispiel geschlechtsspezifische Gewalt zu diskutieren, müssen Männer als Täter benannt werden können. Und Frauen als Betroffene. Genauso ist Gewalt gegen trans Personen nicht im Allgemeinen „Gewalt gegen FLINTA“ korrekt benannt. Zu diesen Punkten ließen sich mehrere Texte schreiben, was wir zu einigen getan haben – zum Beispiel zu feministischer Sprachkritik veröffentlicht im Sammelband Feministisch Streiten und zur Notwendigkeit der Betrachtung des Geschlechterverhältnisses für jede Gesellschaftsanalyse in der jungle world mit dem Titel Unter dem Klebeband.
Zurück zum Verhältnis von Kapitalismus und Geschlecht. In den über 25 Jahren feministischer, linksradikaler Politik ist dieses Thema einer der roten Fäden des afbl. Der Satz „der Kapitalismus kann ohne Frauenunterdrückung nicht existieren“ begegnet uns so oder ähnlich in den meisten Texten vom Ende 1970er bis heute, vom Flugblatt zur Dissertation. Die Frage, „stimmt das eigentlich?“, bildet den Grundstein dieses Textes. Über etwa drei Jahre haben wir ältere und neuere Texte feministischer Kapitalismuskritik diskutiert, mal wöchentlich, mal im Abstand mehrerer Monate. Nicht alle gelesenen Autor:innen werden in diesem Text zitiert, wenn sie dennoch Teil unserer Positionsfindung waren, sind sie am Ende in der Literaturliste aufgeführt. Unsere Analyse fokussiert auf Deutschland, wir geben keine globale Antwort zum Zustand des Geschlechterverhältnisses, wir beziehen uns auf Diskussionen, die für unseren linken Feminismus relevant sind. Selbstverständlich gibt es noch viel mehr feministische, antikapitalistische Beiträge, auch mit Fokus auf andere Länder oder Weltreligionen. Wir haben nicht den Anspruch hier einen Kanon relevanter Texte aufzubereiten und wir haben aufgehört noch mehr Texte zu lesen, als die Argumente redundant wurden, sie unsere Diskussion nicht mehr weiterbrachten und unsere Position sich herauskristallisiert hatte.
Am Ende könnte unsere Antwort zur Frage ganz ohne Bezüge auf andere feministische Positionen geschrieben werden. Wir wollten aber die Lektüre kenntlich machen und diskutieren, was Feminist:innen bereits veröffentlicht haben.
Wir haben die Texte neben ihrer generellen Position zum Verhältnis von Kapitalismus und Geschlecht, auf das jeweilige Verständnis von (Reproduktions-)Arbeit und auf die Frage, was war zuerst da, der Kapitalismus oder das Patriarchat?, diskutiert. Beiden Punkten ist ein Kapitel gewidmet, in dem wir die Theorien zitieren.
Im letzten Kapitel geben wir hoffentlich überzeugend unsere Antwort auf die Frage, braucht der Kapitalismus Geschlechterhierarchien, und darauf, was diese für die feministische Theorie und Praxis heißen kann.
Eine neue Definition von Arbeit?
Viele feministische Texte, vor allem die der feministischen Ökonomiekritik, beschäftigen sich im Kern mit dem Thema Arbeit. Zum einen ist Arbeit aus marxistischer Sicht eine der zentralen Kategorien, um den Kapitalismus verstehen zu können. Zum anderen spielt sie auf der Alltagsebene eine entscheidende Rolle, sie strukturiert den Tag der Meisten und ist in der Regel notwendig, um sich das Leben leisten zu können. Es ist also naheliegend, dass linke Feminist:innen auch das Geschlechterverhältnis in Bezug zur Arbeit diskutieren. Insbesondere unbezahlte, vornehmlich von Frauen erbrachte Tätigkeiten – mal Reproduktionsarbeit mal Care Arbeit oder Fürsorge genannt – werden in einen Arbeitsbegriff aufgenommen, der sich an Marx orientiert. Weil Marx die Go-To-Theorie in Bezug auf Kapitalismuskritik geliefert hat, scheint auch die Geschlechterdiskussion in marxistischen Termini geführt werden zu müssen, damit diese Form der Arbeit überhaupt gesehen und ernst genommen wird.
Der Arbeitsbegriff, der uns in der Lektüre verschiedener feministischer Auseinandersetzungen mit Reproduktion und (Haus-)Arbeit begegnet ist, unterscheidet sich in vielen Fällen allerdings so grundlegend von Marx’ Arbeitsbegriff, dass der Bezug auf ihn unverständlich wird. Für Marx gilt nur Lohnarbeit als Arbeit, da nur sie produktiv ist, das heißt Mehrwert für das Kapital produziert. Dieser entsteht – ganz verkürzt gesagt – wenn sich unbezahlte abstrakte Arbeit angeeignet wird, also der Wert der Arbeitskraft (= ihre Reproduktionskosten) niedriger ist als der Wert, der durch ihre Nutzung produziert wird. Unter abstrakter Arbeit versteht Marx Tauschwert schaffende Arbeit. In den Wert der Ware Arbeitskraft kann nur eingehen, was selbst von Wert ist, also Waren. Wie diese (z.B. Lebensmittel) „zubereitet“ werden, ist nicht Gegenstand von Marx’ Betrachtung, das Einkommen muss nur hoch genug sein, um die Waren käuflich zu erwerben (inklusive derjenigen für die Familie). Die eigene Hausarbeit ist folglich nicht produktiv, sie schafft höchstens Gebrauchsmittel für den unmittelbaren Konsum, welche außerhalb der Mehrwerterzeugung stehen. Emotionale und sonstige Fürsorgearbeit ist nach Marx’ Definition ebenfalls nicht produktiv.
Diese Sichtweise wollen viele feministische Autorinnen durchbrechen. In dem Sammelband Materializing Feminism wird sogar so weit gegangen soziale Beziehungen mit Arbeitsverhältnissen gleichzusetzen, denn auch Freundschaften und Partnerschaften seien transaktional und sollen angeblich Mehrwert schaffen, so die Herausgeber:innen in der Einleitung. Auch die Herausgeberinnen von Sexuell Arbeiten haben schon 2007 einen eher entgrenzten Arbeitsbegriff, hier gibt es quasi kein Handeln mehr, das nicht als Arbeit beschrieben wird, selbst das Backen eines Geburtstagskuchens wird kapitalistisch interpretiert.
Es ist nachvollziehbar, betonen zu wollen, dass unbezahltes Putzen, Kochen, die Pflege von Familienangehörigen und Kinderbetreuung anstrengend sind und oft nerven. Nennt man all das aber einfach Arbeit, werden nahezu alle menschlichen Regungen und Tätigkeiten, vor allem die unangenehmen oder anstrengenden unter dem marxschen Arbeitsbegriff subsumiert. Wer jede soziale Handlung, wie den Problemen von Partner:innen zuzuhören oder Freund:innen einen Geburtstagskuchen zu backen, als Arbeit deklariert, unterscheidet nicht mehr zwischen Leben und Arbeit. Der Analysekategorie Arbeit tut man damit keinen Gefallen. Und auch nicht den darunter liegenden feministischen Forderungen, Hausarbeit sichtbar zu machen, aus dem Bereich des Privaten zu holen und auf die Rolle von Hausarbeit in der kapitalistischen Produktionsweise aufmerksam zu machen. Was daran bei allem Verständnis für das Anliegen kritikabel ist, versuchen wir folgend anhand verschiedener Autorinnen und Texte nachzuzeichnen.
Die italienische Feministin Mariarosa Dalla Costa bezeichnet in Die Frau und der Umsturz der Gesellschaft (1973) Frauen im Rahmen der Familie als „Proletarier ohne Lohn“, welchen eine tragende Rolle im Produktionsprozess zukomme, nämlich der Reproduktion der Ware Arbeitskraft. Diese umfasse unter anderem die Versorgung von Kindern, die Zubereitung von Mahlzeiten, die Pflege von Familienangehörigen und die Reinigung des Hauses. Damit würde die Arbeitskraft des Mannes reproduziert und das kapitalistische System gestützt. Hausarbeit geht nach Dalla Costa weit über die Produktion von Gebrauchswerten hinaus, erfüllt eine wesentliche Funktion in der Produktion von Mehrwert und ist als solche selbst produktiv. Sie nennt es den „gesellschaftlich produktiven Charakter der Tätigkeit der Frau im Haus.“ Dalla Costa kritisiert, dass diese Rolle der Frau und das damit einhergehende Unterdrückungsverhältnis übersehen wird und eine umfassende Analyse des kapitalistischen Wirtschaftssystems ohne die Einbeziehung unbezahlter Reproduktionsarbeit nicht zu leisten sei. Dalla Costa geht, wie erstaunlicherweise auch viele andere Autorinnen in der aktuellen Debatte um Care Work, ganz selbstverständlich von einer klassischen Rollenverteilung aus, in der die Frau zuhause den Haushalt schmeißt und die Kinder erzieht, während sich der Mann von der Lohnarbeit erholt. Zum Beispiel, wenn sie schreibt: „Wir müssen das Haus verlassen; wir müssen den Haushalt verweigern, weil wir uns mit den anderen Frauen vereinigen wollen, um gegen alles anzukämpfen, was die Anwesenheit der Frauen im Hause zur Voraussetzung hat […].“ Übersehen werden bei diesem sehr simplen Gesellschaftsbild die vielen Arbeiterinnen und, dass auch Ehefrauen von Kapitalisten Mahlzeiten zubereiten, macht sie das auch zu lohnlosen Proletariern?
Warum so viele Feminist:innen dabei bleiben die Geschlechterrollen als naturgegeben oder dem Kapitalismus inhärent anzusehen, haben wir uns in der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Geschlecht und Kapital oft gefragt. Es ist frustrierend, dass diese gesellschaftliche Zuschreibung im linken Feminismus beständig wiederholt und verfestigt wird. Dass Frauen nicht lohnarbeiten würden, geht an der Realität, insbesondere des sogenannten Proletariats, vorbei.
Ohne Zweifel, die Existenz des Kapitalismus basiert wesentlich auf unbezahlter oder zu niedrigen Löhnen verrichteter Arbeit und Hausarbeit. Warum diese aber mehrheitlich von Frauen verrichtet wird, bleibt unbeantwortet, wenn der Fokus nur darauf liegt, den marxschen Arbeitsbegriff auf Hausarbeit auszudehnen. Es ist für eine Analyse des Kapitalismus nicht nötig, Haus- und Fürsorgearbeit unter die marxschen Analysekategorien zu subsumieren. Mehr noch, es schadet der Kritik des Kapitalismus und der Kritik des Patriarchats, Begriffe auszudehnen und zu verwässern, nur um beides zusammen diskutieren zu können. Wir können uns ohne Probleme auch nicht- kapitalistische Gesellschaften vorstellen, in denen Frauen ausgebeutet werden.
Auch die sogenannten Bielefelderinnen um Maria Mies und Claudia von Werlhof rücken mit ihrem Ende der 1970er Jahre geprägten Begriff der Hausfrauisierung nicht von der Vorstellung ab, dass Hausarbeit von Frauen zu leisten ist. Mit dem Begriff der Hausfrauisierung sollte zwar aufgebrochen werden, dass sich der Marxsche Ausbeutungsbegriff primär auf männliche Lohnarbeit fokussiert. Dass Lohnarbeit männlich gedacht wird, nehmen aber auch sie widerspruchslos hin, obwohl sie ja selbst an der Universität lohnarbeiten. Die Bielefelderinnen benennen mit Hausfrauisierung einen Prozess der Entwertung und Unsichtbarmachung von Arbeit, mit dem das Kapital Frauenarbeit separiert und ausbeutet. Hausfrauisierung bezieht sich also nicht nur auf die Hausarbeit selbst, sondern auch auf die „strukturelle Bedingung für die Entwertung aller weiblichen Erwerbsarbeit im Kapitalismus“. Zur Analyse des Kapitalismus sei es essentiell Hausarbeit nicht nur anzuerkennen, sondern auch als Form der Arbeit zu analysieren: Es sei „nur von unten, von der Hausarbeit her“ möglich „alle übrige Arbeit zu verstehen, nicht aber umgekehrt, von der Lohnarbeit her. Im Grunde ist die Hausarbeit, nicht Lohnarbeit, das „Modell’ von Arbeit im Kapitalismus“. Global gesehen sei nicht Lohnarbeit die vorherrschende Arbeitsform, sondern was die Bielefelderinnen Subsistenzarbeit nennen und wozu auch Hausarbeit gehöre. Eine Form der Arbeit ohne permanente Beschäftigung und gesellschaftliche Anerkennung - unter niedrigsten Löhnen und längsten Arbeitszeiten, monoton, ohne gewerkschaftliche Organisation, Qualifizierung, Aufstieg, Rechte und soziale Sicherheit. Um Kapitalismus zu verstehen, müsse Hausarbeit also nicht nur gesehen werden, die Bielefelderinnen gehen sogar soweit, Hausarbeit als zentrale Analysekategorie zu begreifen.
Käthe Knittler geht in Feministische Kritik an der Marxschen Wertlehre auf den Verdienst der Bielefelderinnen ein und statuiert ebenfalls, dass Kapitalismuskritik ohne die Debatte zur Hausarbeit nicht möglich sei. Es kommt jedoch weder in den Texten der Bielefelderinnen noch bei Knittler zu einer Analyse der Entstehung des Kapitalismus oder des Patriarchats. So spricht Knittler zwar nicht von der Hausarbeit als Primat des Kapitalismus, doch sei unbezahlte Arbeit Existenzbedingung des Kapitalismus, der nicht allein von Lohnarbeit leben könne. Dieser Zustand scheint überhistorisch zu funktionieren, jedoch wird nicht aufgezeigt, wie er entstand. Es wird hier der Status quo, dass Kapitalismus eine Geschlechterhierarchie braucht und Reproduktion den Frauen zugeteilt ist, festgeschrieben.
Marx geht in seiner Analyse der Produktionsverhältnisse zwar nicht darauf ein, dass Menschen im Kapitalismus nicht nur durch das Klassenverhältnis ausgebeutet werden, sondern unter anderem auch durch das Geschlechterverhältnis. Dass sich dieses jedoch schon vor der Entstehung des Kapitalismus ausgeformt hat und in ihm nur eine spezifische Form annimmt, verdient eine angemessene Analyse. Etwas, das die österreichisch-amerikanische Historikerin Gerda Lerner sehr umfassend in ihren beiden Werken Die Entstehung des Patriarchats (1986 im Original auf Englisch erschienen) und Die Entstehung des feministischen Bewusstseins: vom Mittelalter bis zur ersten Frauenbewegung gemacht hat. Hausarbeit wird traditionell, aber eben nicht natürlicherweise, von Frauen geleistet, im Kapitalismus spielt sie als unbezahlte Arbeit eine Rolle für die Aufrechterhaltung von Arbeitskraft. Lerner teilt unsere Position, dass Kapitalismus und Patriarchat sich wechselseitig beeinflussen, jedoch nicht zwingend der gleichen Logik unterliegen oder sich ausschließlich zusammen denken lassen. Jede Form von Gesellschaft zum Zweck der Kooperation und des miteinander Lebens ist arbeitsteilig organisiert, was wiederum nicht heißt, dass dies ausschließlich ökonomisch begründet ist. Die Aufteilung sollte natürlich bestenfalls nach Interessen und Fähigkeiten erfolgen und nicht vorrangig nach ökonomischen Kriterien oder gesellschaftlichen Konventionen. Hausarbeit wird in jeder Form von Gesellschaft notwendig bleiben. Dass sie im Kapitalismus oft ein geschlechtsspezifisches Ausbeutungsverhältnis darstellt, von dem der Kapitalismus wesentlich profitiert, ändert sich nicht allein dadurch, Hausarbeit als eine Form von Arbeit anzuerkennen. Vielmehr geht das an einer emanzipatorischen Kritik der Verhältnisse sogar vorbei, da sie nicht auf die Abschaffung patriarchaler Strukturen zielt.
Wie sehr auch in linksradikalen Debatten tradierte Vorstellungen von Geschlechterrollen festgeschrieben werden, offenbart ein weiterer Blick in den Sammelband Materializing Feminism. Lisa Yashodhara Haller unterstellt Frauen, die sich dem Diktum des Haushalts und Kinderkriegens entziehen, einem männlichen Phantasma von Autonomie hinterher zu eifern und sieht darin eine Unterwerfung unter die kapitalistische Logik. Gleichstellung gehe immer auch mit einer Abwertung von Fürsorgetätigkeiten einher. Haller plädiert daher in Anlehnung an Mary Wollstonecraft für eine Anerkennung der „besonderen weiblichen Lebensweise“. Fürsorge als weiblich zu bezeichnen, ist essentialistisch und zynisch. Diese Sichtweise verfestigt Geschlechterhierarchie, indem Tätigkeiten Geschlechtern zugewiesen und, basierend darauf, bewertet werden. Selbst wenn es zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufwertung von als weiblich konnotierten Handlungen kommen sollte, würde das ja nicht zu einer Auflösung von Geschlechtshierarchien führen. Die binär gedachte Vergeschlechtlichung von Tätigkeiten bliebe bestehen, auch die historisch gewachsenen patriarchalen Zuschreibungen blieben unverändert. Außerdem verkennt die Vorstellung von der vermeintlich weiblichen Fürsorgearbeit, die außerhalb der kapitalistischen Logik verortet wird und auf die manche Autor:innen gar ein revolutionäres Moment projizieren, die Systematik und Totalität der kapitalistischen Gesellschaft. Auch Frauen, die nicht lohnarbeiten und sich stattdessen um den Haushalt, die Betreuung von Kindern oder Pflege von Angehörigen kümmern, stehen nicht außerhalb der kapitalistischen Logik.
Wer das Geschlechterverhältnis nur im Kapitalismus verortet, macht es zum Nebenwiderspruch. Denn damit kann die Geschlechterhierarchie, das strukturelle Patriarchat, nur mit der Abschaffung des Kapitalismus überwunden werden. Aber die Geschlechterverhältnisse werden durch vielfältige Faktoren konstituiert und beeinflusst. Dazu gehört natürlich auch der Kapitalismus, denn er gibt der Ausbeutung von Frauen einen spezifischen Charakter. Allerdings ist er eben nicht ausschließlich für das herrschende Geschlechterverhältnis verantwortlich.
Das Argument, im Kapitalismus brauche es die unbezahlte Haushaltsarbeit „für den Arbeiter“ und den Erhalt der Ware Arbeitskraft in Form von Kindern erklärt nicht das Ausmaß des gesellschaftlichen Sexismus. Damit lassen sich Gewalt gegen Frauen und Femizide nicht erklären. Für das hierarchische Geschlechterverhältnis spielen auch soziale, kulturelle, politische sowie individuelle und nicht zuletzt historische Faktoren eine Rolle.
Henne und Ei
Die Frage, was zuerst da war der Kapitalismus oder das Patriarchat lässt sich historisch eigentlich einfach beantworten. Lange vor der Herausbildung kapitalistischer Verhältnisse gab es bereits Frauenunterdrückung und Männerherrschaft, ein Blick auf die christliche – und jede andere monotheistische – Religionsgeschichte kann hier schon genügen.
Das Patriarchat, als Herrschaft des Mannes über Frau und Kinder, existierte eben schon weit vor der Zeit der bürgerlichen Kleinfamilie. Wann und wie es sich ausgeprägt hat, das hat insbesondere die bereits erwähnte Historikerin Gerda Lerner aufgezeigt. In Die Entstehung des Patriarchats sieht sie die Wurzeln des Patriarchats im Aufstieg der Landwirtschaft und damit der Sesshaftwerdung, was die Entwicklung des Privateigentums und die Kontrolle der Fortpflanzung – also der Körper von Frauen – zur Sicherung von Erbschaften zur Folge hatte. „Die Periode der ›Durchsetzung des Patriarchats‹ war nicht ein Ereignis, sondern ein Prozess. Der sich […] ungefähr von 3100 bis 600 v. Chr. vollzogen hat.“
In Lerners Darstellung erlangten Männer die Kontrolle über Arbeit und Sexualität der Frauen, als die Gesellschaften komplexer und hierarchischer wurden. Dies sei durch die Entwicklung von Religions- und Rechtssystemen befördert worden, die den untergeordneten Status von Frauen festschrieben, indem sie ihre Hauptaufgabe darin sahen, Männern zu dienen. Die historische Abfolge ist also ganz klar: erst kam die Unterdrückung von Frauen, die sich zum Patriarchat entwickelte, später die Klassengesellschaft und der Kapitalismus und seit es beide gibt, bedingen und formen sie sich gegenseitig.
Manchen ist das historische Argument nicht ausreichend, die Herausbildung des heutigen Geschlechterverhältnisses legen sie auf die Entstehung des Kapitalismus (auch wenn damit schnell Jahrtausende von Frauenunterdrückung vor der Industrialisierung ignoriert werden). Ein prominentes Beispiel ist die Wertkritikerin Roswitha Scholz. Sie geht von einem „warenproduzierenden Patriarchat“, einer Gleichursprünglichkeit von Kapitalismus und Patriarchat aus und nimmt damit eine historisch-systematische Perspektive gegen eine nur historische ein. Sie hat vielfach über die Schnittmenge von Geschlecht, Klasse und Kapitalismus geschrieben und die traditionelle marxistische Theorie dafür kritisiert, dass sie die spezifischen Formen der Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen übersehen hat. Insbesondere hat sie das Wertabspaltungstheorem in Bezug auf den Geschlechteraspekt entworfen und betont darin, dass Frauen historisch und aktuell in großem Umfang unbezahlte Sorgearbeit leisten, die nicht als Teil der kapitalistischen Wertschöpfung erfasst wird, aber notwendig für das System ist. Ihr grundlegendes Buch zum Thema ist Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorie und die postmoderne Metamorphose des Patriarchats (2000), bekannt wurde sie unter linken Feminist:innen mit dem Text Der Wert ist der Mann von 1992. Für Scholz spielt es keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle, dass es Frauenunterdrückung schon vor dem Kapitalismus gegeben hat. Das Patriarchat habe sich in der Übergangsperiode von der Urgesellschaft zur Klassengesellschaft herausgebildet. Durch die Entstehung von Klassenverhältnissen und Privateigentum sei es zu einer Verschärfung von Geschlechterhierarchien gekommen, die letztlich auch das ganze Geschlechterverhältnis spezifisch veränderten. So wird dann begründet, warum die Jahrtausende vor dem Klassenbegriff zu vernachlässigen seien. Für Scholz ist die Verschärfung der Geschlechterhierarchie das wichtige, die Wertvergesellschaftung ist für sie bis ins Fundament in das Geschlechterverhältnis eingeschrieben, das Problem der Wertabspaltung wird sich erst mit dem des Werts erübrigen. In Scholz’ Sichtweise ist also ein Kapitalismus ohne Unterdrückung von Frauen nicht denkbar. Diese Annahme begegnet uns in ihrem Kern in ganz unterschiedlichen theoretischen Zusammenhängen immer wieder.
Das Patriarchat – oder wahlweise auch das Geschlechterverhältnis – wird im Kapitalismus verortet, zum Beispiel bei der bereits erwähnten Mariarosa Dalla Costa im Kontext des italienischen Operaismus der 1970er Jahre, wenn sie schreibt „Die Unterdrückung der Frau beginnt keineswegs mit dem Kapitalismus. Was mit dem Kapitalismus begann, war die noch intensivere Ausbeutung der Frauen als Frauen – und die Möglichkeit ihrer Befreiung“. Für Dalla Costa war die Befreiung der Frau nur durch die Abschaffung des Kapitalismus zu erreichen. Dabei ging sie so weit, dass sie die Frau als Hausfrau festschreiben wollte, damit sie ihr revolutionäres Potenzial nicht einbüßte. Auch die Bielefelderinnen gingen davon aus, dass das Geschlechterverhältnis kein Relikt aus der Feudalzeit sei, sondern sich im Kapitalismus spezifisch entwickelt habe. Dass der Kapitalismus an allem Schuld sei und wenn er abgeschafft werden würde, sich auch das Geschlechterverhältnis verbessere, das schreiben so oder so ähnlich auch Cinzia Arruzza, Tithi Bhattacharya und Nancy Fraser in ihrem Manifest Feminismus für die 99 %, Heinz- Jürgen Voss und mehrere Autor:innen des Sammelbands Materializing Feminism und viele andere. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich zwar zu dem historischen Bedingungsgefüge nicht unmittelbar äußern, wohl aber zur Befreiungsperspektive. Dass während der zweiten Frauenbewegung die Unterstützung der Genossen eher durch die Verwendung marxistischen Vokabulars als durch die Kritik alltäglicher Verhaltensweisen zu gewinnen war, ist vielleicht noch nachvollziehbar. Heute muss nicht mehr der Umweg über das Grundübel Kapitalismus genommen werden, um zu erklären, warum die Geschlechterhierarchie überwunden gehört.
Ein historischer Blick allein, heißt allerdings nicht automatisch, dass der Beginn des patriarchalen Geschlechterverhältnis vor dem Kapitalismus verortet wird. So kehrt Silvia Federici in Caliban und die Hexe (2004/2012) das Bedingungsgefüge mehr oder weniger um. Sie schreibt ausführlich über die Ursprünge und die Entwicklung des Patriarchats und ist der Auffassung, dass dessen Entstehung eng mit dem Aufstieg des Kapitalismus vom 15. bis 17. Jahrhundert sowie der damit einhergehenden Transformation sozialer Beziehungen verbunden gewesen ist: „Es steht jedenfalls außer Zweifel, dass Frauen im Zuge des ,Übergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus‘ einen einzigartigen Prozess sozialer Degradierung erlitten, der für die Akkumulation des Kapitals von grundlegender Bedeutung war und dies bis heute geblieben ist.“ Die Jahrtausende davor, in denen es bereits hierarchische Geschlechterverhältnisse gab, werden auch von ihr weitgehend ignoriert. Federicis Interpretation besagt vielmehr, dass Frauen vor dem Aufstieg des Kapitalismus eine viel zentralere Rolle im sozialen und wirtschaftlichen Leben spielten, als gemeinhin angenommen wird. Sie seien aktive Teilnehmerinnen an der Landwirtschaft, im Handwerk und an anderen Formen der Subsistenzarbeit gewesen und hätten oft soziale und politische Macht gehabt. Der Kapitalismus habe eine neue Arbeitsteilung auf der Grundlage des Geschlechts geschaffen, in der Frauen in die Sphäre unbezahlter reproduktiver Arbeit verbannt worden seien, die wiederum für das Funktionieren des Kapitalismus wesentlich sei.
Insgesamt nimmt Federici – im Gegensatz zu Lerner – also an, dass die Entstehung des Patriarchats eng mit dem Aufstieg des Kapitalismus verbunden gewesen sei, der die sozialen Beziehungen verändert und neue Formen der Ausbeutung und Unterdrückung geschaffen habe. Federici behauptet tatsächlich, dass Frauen vor dem Kapitalismus ihr Leben freier gestalten konnten. Und es Frauen in Bezug auf das Geschlechterverhältnis sogar besser gegangen sei, wenn sie schreibt, dass „dieser Krieg gegen die Frauen [gemeint ist die hier die Hexenverfolgung], der sich über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahrhunderten hinzog, ein Wendepunkt der europäischen Frauengeschichte war. Er war gewissermaßen der ‚Sündenfall‘ im Prozess gesellschaftlicher Abwertung, den die Frauen beim Aufstieg des Kapitalismus durchliefen.“
Alles in allem bezweifeln wenige innerhalb der feministischen Theorie, die sich zu der Zeit vor dem Kapitalismus äußern, dass schon vorherein ein hierarchisches Geschlechterverhältnis existierte. Es gibt allerdings eine ganze Bandbreite an Positionen, in denen der Kapitalismus letztlich mindestens „mit“ an den „Anfang“ des Geschlechterverhältnisses, wie wir es heute kennen, gesetzt wird. Aber aus unserer Sicht ist es nicht notwendig, patriarchale Strukturen jenseits des Kapitalismus kleinzureden, um den Kapitalismus als unterdrückendes System wahrzunehmen. In dieser Hinsicht finden wir in Frigga Haug eine Unterstützerin. Denn Sie möchte der doppelten Zurichtung Rechnung tragen und nimmt an, dass der Kapitalismus, den sie als „Zivilisationsmodell“ versteht, zwar mit dem Geschlechterverhältnis verbunden ist, aber eine eigene Logik hat, dass das eine also letztlich auch ohne das andere denkbar ist. Sie kommt aus der Arbeiterbewegung (damals noch im generischen Maskulinum), hatte sich mit der Frauenfrage lange nur als Nebenwiderspruch beschäftigt und den Feminismus sogar insgesamt kritisiert, weil er vom Klassenwiderspruch ablenke. Zunehmend sah sie allerdings die Notwendigkeit, Marxismus und Feminismus zusammenzudenken. In letzter Zeit hat sie in diesem Sinne die „Vier-in-einem“- Perspektive entwickelt. Sie schlägt vor, dass der Tagesablauf aller Menschen durch vier Bereiche gleichwertig strukturiert werden soll: 1. Erwerbsarbeit, 2. Reproduktion, 3. Eigene Entwicklung und 4. Politik. Alles soll am Tag je vier Stunden einnehmen, gefolgt von acht Stunden Schlaf. Bemerkenswert an diesem Vorschlag ist, dass sie damit die Geschlechterfrage gar nicht mehr stellt und die geschlechtliche Zuordnung der Sphären keine Rolle mehr spielt. Jeder Mensch soll seine Zeit nach diesem Muster aufteilen. Auch wenn sie das biologische Geschlecht nicht offen in Frage stellt, löst sie es hier auf.
Schon lange vor der Entwicklung der Vier-in-einem-Perspektive ging sie davon aus, dass „Frauenunterdrückung […] älter als der Kapitalismus“ sei und betont die unterschiedliche Logik beider: „Der Zusammenhang zwischen Frauenunterdrückung und Kapitalreproduktion, den es zu begreifen gilt, kann nicht aus den Gesetzen des Kapitalismus begriffen werden.“ Ihr Verständnis des Kapitalismus spezifiziert sie – und das ist auffällig – durch „die vorgängige Geschlechterhierarchie“ als „männlichen Kapitalismus“ (ebd.). Während Scholz ein „warenproduzierendes Patriarchat“ annimmt, beruft sich Haug auf den „männlichen Kapitalismus“. So ähnlich die Reaktionen die Ein- und Zuordnungen im Bereich des Geschlechterverhältnisses auf den ersten Blick auch erscheinen mögen, so unterschiedlich ist damit doch das Resultat.
Unser Resümee nach der Lektüre von vielen materialistischen und speziell marxistischen feministischen Texten: Fast alle sehen den Grund des Patriarchat, zumindest wie es heute vorherrscht, im Kapitalismus, was seine Abschaffung eben nur in der Überwindung desselben möglich macht. Eigentlich bliebe innerhalb dieses Denkens kein Raum für feministische Kämpfe mit konkreten Forderungen an das Hier und Jetzt. Dem wollen wir entschieden widersprechen!
Das Richtige im Falschen
Geschlechterverhältnisse sind veränderbar, das zeigt die Geschichte. In den letzten Jahrzehnten haben sich die institutionellen Rahmenbedingungen für Frauen in Deutschland durch gesetzliche Veränderungen erheblich verbessert. Frauen können ihr eigenes Geld verwalten, müssen nicht heiraten und können ohne Angst kinderlos bleiben. Auch ohne Zustimmung ihres Ehepartners lohnarbeiten zu gehen ist ihnen erlaubt, die Vergewaltigung in der Ehe ist strafbar (erschreckenderweise allerdings erst seit 1997) und auf dem Arbeitsmarkt findet ein Antidiskriminierungsgesetz Anwendung. Außerdem gibt es heutzutage Familien und Partnerschaften, in denen Frauen die Hauptverdienerinnen sind, und Anreize werden geschaffen, damit Männer in Elternzeit gehen. Es hat sich also einiges getan, aber von einer defacto Gleichstellung sind wir dann doch noch weit entfernt. Dass es überhaupt solche Gesetze geben muss, zeigt ja schon, dass nicht alles gut ist: solange Antidiskriminierungsregulationen notwendig sind, solange es Vergewaltigungen in der Ehe oder sonst wo gibt, solange es Femizide und Gewalt gegen Frauen, weil sie Frauen sind, gibt, kann davon wirklich keine Rede sein. Und auch im Alltäglichen werden Frauen trotz gesellschaftlicher und gesetzlicher Transformationen weiterhin benachteiligt. In unserem Text Das strukturelle Patriarchat, der 2012 erschienen ist, machen wir auf diese Geschlechterhierarchie aufmerksam, die mehr ist als ein personales Verhältnis. Da es unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen in Deutschland keine rechtlich festgeschriebene, direkte Herrschaft von Männern über Frauen mehr gibt, verwenden wir den Begriff des strukturellen Patriarchats. Er beschreibt eine Ungleichheit, die nicht mehr unmittelbar auf die Herrschaft des Mannes über die Frau gerichtet ist, sondern die Männliches höher bewertet als das, was Frauen zugeschrieben wird, und diesen wiederum weniger Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen ermöglicht. Es handelt sich um eine vermittelte Ungleichheit, die sich verfestigt hat und auf das Denken und Handeln der Einzelnen zurückwirkt. Es bleibt richtig, den patriarchalen Status Quo zu benennen und zu bekämpfen. Und der ist recht eindeutig mit den kapitalistischen Bedingungen verflochten. So zeigt sich die Geschlechterhierarchie nach wie vor insbesondere in der Reproduktionsarbeit. Frauen übernehmen mehr Hausarbeit und kümmern sich mehr um Kinder als Männer, unabhängig davon, ob sie selbst arbeiten gehen oder nicht. Mütter gehen häufiger in Teilzeit und länger in Elternzeit, was sich negativ auf ihre ökonomische Situation, ihre Arbeitsmöglichkeiten und Rentenansprüche auswirkt. Die Verbesserungen der jüngeren Vergangenheit zeigen aber, dass es eben auch anders werden kann, dass die Verflechtung ganz und gar nicht fix ist, sondern einem Wandel unterliegt. Manchmal führen feministische Interventionen zu ganz konkreten und sogar beständigen Veränderungen (auch wenn das schon mal hundert Jahre dauert).
Auffällig ist, dass sich viele Feminist:innen in ihren kapitalismuskritischen Analysen, statt diesen Wandel im Geschlechterverhältnis ernst zu nehmen, weiterhin an der bürgerlichen Kleinfamilie orientieren und veränderte Rollenbilder fast schon als eine Abweichung von letztlich fortbestehender Norm interpretieren. Wenn es um Lohn für Hausarbeit als feministische Forderung geht, wird schnell ein innerer, notwendiger Zusammenhang von Hausarbeit und Frauen angenommen, der darin wieder auftaucht, dass vermeintlich weibliche Fähigkeiten oder Sphären adressiert werden, die es aufzuwerten gelte. Mitunter gehen Feminist:innen so weit legitimen, feministischen Forderungen vorzuwerfen, sie würden dem Bestehenden dienen. Beispielsweise wird in dem Manifest Feminismus für die 99% angenommen, dass das Recht auf Abtreibung wenig für unterdrückte und marginalisierte Frauen leiste, und stattdessen gefordert, dass der Feminismus für die 99 Prozent die „Anliegen aller Sorten von Arbeiterklasse-Frauen in den Mittelpunkt“ rücke. Dabei zeichnen die Autorinnen das Feindbild eines neoliberalen, sogenannten weißen Feminismus und sehen dabei nicht, dass insbesondere das Recht auf Abtreibung nicht nur ein Thema für ökonomisch gut situierte Frauen ist, sondern letztendlich alle Frauen und auch Männer betrifft. Während sie sich gegen Frauen in Führungspositionen richten und pauschale Verurteilungen aussprechen, reflektieren sie ihre eigenen Positionen als erfolgreiche Professorinnen und Autorinnen nicht. Es wird an veralteten Bildern einer tradierten Haushaltsstruktur festgehalten und andere, erfolgreiche, Lebensentwürfe von Frauen ausgeklammert, um eine Gesellschaft zeichnen zu können, in der Frauen generell in der Opferrolle sind.
Weitere kapitalismuskritische, feministische Texte diffamieren ebenfalls jeden Feminismus, der nicht andere Unterdrückungen wie Race und Class gleich zentral behandelt wie Gender, als liberalen oder neoliberalen Feminismus. Es wird von feministischer Theorie erwartet, dass sie zur Revolutionstheorie für alle und alles wird. Gleichzeitig kursiert aber die Vorstellung, die Unzufriedenheit der Frauen sei das wichtigste Veränderungspotenzial - quasi das „neue“ revolutionäre Subjekt, nachdem es mit der Arbeiterklasse nicht so ganz geklappt hat. Hier wiederholt sich eine feministische Geschichte, die bereits in den 1970er Jahren erzählt wurde.
Was aber ist mit einem ganz anderen Blick: Wäre die Abschaffung der Geschlechterhierarchie nicht auch innerhalb des Bestehenden umsetzbar? Werden Forderungen, die sich darauf richten, falsch, nur weil sie nicht zur Revolution führen? Wir sehen jedenfalls die Erfüllung feministischer Forderungen auch dann als einen Fortschritt, wenn der Kapitalismus sie integrieren kann. Und vergessen dabei nicht, dass Ideologien der Ungleichheit auch innerhalb des Feminismus virulent sind und dass diese Ideologien wie Rassismus und Antisemitismus mit dem Ende des Patriarchats nicht aufgelöst sind. Genauso wenig, wie mit dem Ende des Kapitalismus automatisch ein egalitäres Geschlechterverhältnis entsteht. Gesellschaftliche Widersprüche haben kein Ranking, sie heben einander nicht auf. Was eben auch bedeutet, dass sie zwar miteinander verknüpft sind, aber auch individuell angegangen werden müssen.
Wir finden es legitim, wenn sich Feminismus im Kern um die Abschaffung der Geschlechterhierarchie kümmert. Das klingt schon beinahe banal, denn worum sollte er sich schon vom Namen her sonst kümmern, wenn nicht um Frauen? Angesichts aktueller queer-feministischer Wortmeldungen bleibt es wichtig darauf hinzuweisen: Feminist:innen sind nicht gezwungen, sich um alles und jeden zu kümmern, sie können und sollten die Rolle von Frauen priorisieren.
Auffällig ist, dass einige der Positionen, die wir in diesem Text thematisiert haben, unterschiedliches theoretisches Rüstzeug mitbringen, das sie – nicht immer, aber immer wieder – in eine Art Anerkennungslogik im eigenen Feld verfallen lässt. Das Geschlechterverhältnis wird etwa in der Sprache der Kapitalkritik gefasst oder der Kapitalismus in jene der Geschlechtsidentitäten, je nach politischer Verortung. So wenden sich bspw. Kathrin Ganz und Do Gerbig 2010 (in Rückgriff auf J.K. Gibson-Graham) gegen einen „‚kapitalozentrischen‘ Diskurs“, dem sie „einen Diskurs der ökonomischen Vielfalt“ entgegensetzen wollen, und sie fragen rhetorisch: „Ökonomie kommt uns immer so unangenehm kapitalistisch vor, aber ist sie das in jedem Fall? Oder ist sie genauso divers wie Geschlecht und Sexualität es sein können?“ In der ökonomischen Einbettung der Debatte um Care-Arbeit kommt es wiederum zu ausufernden Bestimmungen, was alles als Arbeit zu verstehen sei.
Das führt beispielsweise, wie erwähnt, in der ökonomischen Einbettung der Debatte um Care-Arbeit zu den ausufernden Bestimmungen, was alles als Arbeit zu verstehen sei. Manchmal stellt sich dabei fast der Eindruck ein, dass es nicht nur, aber auch um die gesellschaftliche Anerkennung eigener Bedürfnisse geht, etwa sich um Kinder sorgen zu wollen. Wer sich um Kinder kümmern möchte, sollte das tun können. Aber es sollte zumindest im Bereich des Vorstellbaren liegen, dass Frauen trotz patriarchaler und kapitalistischer Sozialisierung unterschiedliche Bedürfnisse haben, sie haben ganz verschiedene Visionen von einem guten Leben. Für die eine kann es völlig in Ordnung sein, in Elternzeit zu gehen, ohne dass gleich die passende Theorie dazu aufgeboten werden müsste, und für die andere sind Kinder vielleicht gar keine Option. Nicht alle haben die selben Wahlmöglichkeiten sich für oder gegen einen Lebensentwurf entscheiden zu können, unabhängig zum Beispiel von ökonomischen oder religiösen Einschränkungen, und für sich und die eigenen Entscheidungen Verantwortung zu übernehmen, ist das, worauf es im Hier und Jetzt feministischer Praxis eben auch ankommt (oder: ankommen sollte). Mehr Wahlmöglichkeiten zu haben, wie zum Beispiel zu heiraten oder nicht, Kinder oder keine, als früher, ist konkreter Ausdruck von Fortschritt im Bereich der Geschlechterhierarchie, auch wenn so manche gesellschaftskritische Feministin darin das Feindbild Neoliberalismus wittern mag. Selbstentwürfe von Frauen und auch von Männern, haben sich stark erweitert, sie sind nicht mehr so festgelegt, wie sie einst waren, und das finden wir uneingeschränkt gut. Unabhängig davon, dass der Kapitalismus dadurch nicht zusammengebrochen ist.
Zwar halten sich patriarchal gewachsene Strukturen trotz aller Veränderungen zäh, aber – und das ist hier der springende Punkt – sie sind für den Kapitalismus nicht notwendig. Ob der moderne Mann von seinem Lohn eine Partnerin zuhause finanziert, die kocht, oder sich durch Restaurantbesuche am Leben hält, ist dem Kapitalismus egal. Ob die moderne Frau lohnarbeiten geht und ihr Ehemann seinen reproduktiven Pflichten nachkommt, ist dem Kapitalismus ebenso egal. Wichtig ist ihm nur, dass genügend Arbeitskraft zur Verfügung steht. Und wir finden, das sollte in feministische Analysen einbezogen werden.
Uns ist kein Text bekannt, der darauf eingeht, warum denn im Kapitalismus genau diese eine spezifische geschlechtliche Verwertung notwendig sei, warum es für den Kapitalismus nicht genauso gut wäre, wenn die Rollen diametral anders aufgeteilt wären. Es bedarf innerhalb der Linken scheinbar keiner weiteren Erklärung, wenn einfach behauptet wird, so sei es eben im Kapitalismus. Und wer dann doch darauf hinweist, dass dem Kapitalismus das Geschlecht der Ausgebeuteten reichlich einerlei sei, kann mit harscher Kritik rechnen und damit, missverstanden zu werden. Dies zeigen Reaktion auf einen Text, auf den wir relativ zum Ende unserer Auseinandersetzung gestoßen sind, es handelt sich um Abseits des Spülbeckens von den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft, 2016 im Kosmoprolet erschienen. Darin wird die These vertreten, dass „bisher nicht plausibel argumentiert werden“ konnte, dass es „einen notwendigen Zusammenhang zwischen Kapital- und Geschlechterverhältnis gibt“. Um dies zu belegen, werden Texte von Dalla Costa, über Federici bis hin zu Scholz kritisch diskutiert, die auch wir hier zum Ausgangspunkt genommen haben. Die Freundinnen und Freunde gehen insgesamt davon aus, dass die Geschlechterhierarchie dem Kapitalismus nicht inhärent sei, und, dass Geschlecht zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt sukzessive an Bedeutung verliere. Insbesondere auf diese Nivellierungsthese folgte direkt Kritik (auf Veranstaltungen und in Textform geäußert und im Kosmoprolet dokumentiert), in der ausgeführt wurde, dass die Zustände immer noch schlimm seien.
Die vehementen Gegenstimmen, die partout keine positive Entwicklung innerhalb des Kapitalismus sehen wollen, zeigen recht deutlich, dass und wie an der eigentlichen Argumentation vorbeigeredet wurde. Wer zugesteht, dass es mit der Geschlechterhierarchie im Kapitalismus in den letzten Jahrzehnten besser geworden ist, sagt damit nicht, dass alles gut sei. Wer hingegen so tut, als seien die Veränderungen der letzten Dekaden nicht relevant, verkennt die Bedeutung von erweiterten Handlungsspielräumen. Immerhin sind sie ein nicht zu unterschätzender Freiheitsgewinn, der die Lebensrealität der Einzelnen geradezu umkrempeln kann. Uns ging es in den vorhergehenden Ausführungen zwar vor allem um ein theoretisches Bedingungsgefüge, das trotz gewisser argumentativer Umwege allzu oft letztlich einseitig aufgelöst wurde und wird. Aber Theorie und Praxis gehören bekanntlich zusammen und vielleicht macht es Sinn das Geschlechterverhältnis einfach mal systemimmanent zu kritisieren.
Gerade weil wir heute in einer relativen Freiheit in Bezug auf die Unterdrückung von Frauen leben, die zum Beispiel zu Zeiten von Marx undenkbar war, wissen wir doch, dass sich dieser Kampf lohnt. Wenn Feminist:innen immer wieder betonen, die Frauenfrage sei nur durch die Klassenfrage zu beantworten, dann vergeben sie die Chance, etwas im Hier und Jetzt der sexistischen Realität zu verändern (oder es zumindest zu versuchen). Die Einsicht, dass der Kapitalismus, obwohl er ein grammatikalisches Geschlecht hat, kein soziales / patriarchales braucht, ist Ergebnis einer theoretischen Diskussion; sie kann jedoch ganz praktische Auswirkungen haben. Gerade weil unsere Position das Geschlechterverhältnis nicht kausal im Kapitalismus verortet und wir sein soziales Geschlecht für veränderbar halten, macht sie ein Ende des strukturellen Patriarchats unabhängig vom Ende des Kapitalismus denkbar und damit erkämpfbar.
afbl
(antifaschistischer frauenblock leipzig)
In diesem Literaturverzeichnis dokumentieren wir die Werke, die wir gelesen und diskutiert haben. Auch wenn nicht alle Titel in unseren Texten zitiert werden, sind sie für diejenigen interessant, die sich eingehender mit dem Themenkomplex beschäftigen möchten.
• afbl. „Das strukturelle Patriarchat“. Maulwurfsarbeit II, 2012, https://www.rosalux.de/publikation/id/6151/maulwurfsarbeit-ii.
• afbl. „Das Unbehagen mit dem Sternchen: Feministische Sprachkritik ist mehr als eine Frage der Zeichen“. Feministisch Streiten: Texte zu Vernunft und Leidenschaft unter Frauen, Querverlag, Koschka Linkerhand, 2018, S. 203.
• afbl. „Unterm Klebeband: Ein Plädoyer für einen Feminismus in der antideutschen Gesellschaftskritik.“ Jungle World, Nr. 2008/49, Dezember 2008, https://jungle.world/artikel/2008/49/unterm-klebeband.
• Arruzza, Cinzia, u.a. Feminismus für die 99%: ein Manifest. Übersetzt von Max Henninger, Zweite Auflage, Matthes & Seitz Berlin, 2020.
• Beier, Friederike, u.a. „Plädoyer für einen materialistischen Feminismus“. Materializing Feminism: Positionierung zu Ökonomie, Staat und Identität,1. Aufl., 2018, S. 7–19.
• Dalla Costa, Mariarosa, und Selma James. Die Macht der Frauen und der Umsturz der Gesellschaft. Merve, 1973.
• Endnotes. The Logic of Gender On the separation of spheres and the process of abjection. 2022, https://endnotes.org.uk/translations/endnotes-the-logic-of-gender.
• Federici, Silvia. Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Herausgegeben von Martin Birkner, Übersetzt von Max Henninger, 10. Auflage, Mandelbaum, 2022.
• Fedirici, Silvia. „Die Angst vor der Macht der Frauen Der Terror der christlichen Hexenjagden und die Entstehung des Kapitalismus“. ak Analyse und Kritik, Bd. 666, 2020. https://www.akweb.de/ausgaben/666/hexenverfolgung-und-die-entstehung-des-kapitalismus-die-angst-vor-der-macht-der-frauen/.
• Freunde der geschlechtslosen Gesellschaft. „Mitten im Spülbecken: Kapitalismus und Zweigeschlechtlichkeit“. Kosmoprolet, 2016, https://kosmoprolet.org/de/mitten-im-spuelbecken-kapitalismus-und-zweigeschlechtlichkeit.
• Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft. „Ein genauerer Blick ins Spülbecken“. Kosmoprolet, 2016, https://kosmoprolet.org/de/ ein-genauerer-blick-ins-spuelbecken.
• Freundinnen und Freunde der Klassenlosen Gesellschaft. „Abseits des Spülbeckens: Fragmentarisches über Geschlechter und Kapital“. Kosmoprolet, 2016.
• Funk, Mirna. Who Cares! Von der Freiheit, Frau zu sein. dtv, 2022.
• Gibson-Graham, Julia K. End Of Capitalism (As We Knew It): A Feminist Critique of Political Economy; with a New Introduction. 1st University of Minnesota Press ed, University of Minnesota Press, 2006.
• Haller, Lisa Yashodhara. „Kapital – Staat – Geschlecht: Eine theoretische Analyse der Vermittlungszusammenhänge“. Materializing Feminism: Positionierung zu Ökonomie, Staat und Identität, 2018, S. 69–94.
• Haug, Frigga. Der im Gehen erkundete Weg: Marxismus-Feminismus. Deutsche Originalausgabe, Zweite Auflage, Argument, 2018.
• Haug, Frigga. „Tagträume eines sozialistischen Feminismus“. Differenz und Gleichheit. Menschenrechte haben (k)ein Geschlecht, Ute Gerhard, 1990.
• Heinrich, Michael. Kritik der politischen Ökonomie: eine Einführung. 11. Aufl, Schmetterling-Verlag, 2013.
• Hennig, Fabian. „Feministische Kritik am New Materialism“. Materializing Feminism: Positionierung zu Ökonomie, Staat und Identität, 2018, S. 159–79.
• Hooks, Bell. Die Bedeutung von Klasse: warum die Verhältnisse nicht auf Rassismus und Sexismus zu reduzieren sind. Übersetzt von Jessica Agoku, Unrast, 2020.
• Knittler, Käthe. Feministische Kritik an der Marxschen Werttheorie. 2005. Wirtschaftsuniversität Wien.
• Lerner, Gerda. Die Entstehung des feministischen Bewußtseins: vom Mittelalter bis zur ersten Frauenbewegung. Dt. Taschenbuch-Verl, 1998.
• Lerner, Gerda. Die Entstehung des Patriarchats. manifest., 2022.
• Lorenz, Renate, und Brigitta Kuster. Sexuell arbeiten: eine queere Perspektive auf Arbeit und prekäres Leben. 1. Auflage, b_books-Verlag, 2007.
• Marx, Karl. Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie – Band 1: Der Produktionsprozess des Kapitals. Dietz Verlag Berlin, 2024.
• Power, Nina. „Der verführte Feminismus“. Blätter für deutsche und internationale Politik, Bd. März 2018, https://www.blaetter.de/ausgabe/2018/maerz/der-verfuehrte-feminismus.
• Sauter, und Engel. „Vergeschlechtlichung des Kapitalismus“. Phase 2 Zeitschrift gegen die Realität, Nr. 38 Kein schöner Land, 2010, https://www.phase-zwei.org/hefte/artikel/vergeschlechtlichung-des-kapitalismus-212.
• Scholz, Roswitha. Das Geschlecht des Kapitalismus: feministische Theorien und die postmoderne Metamorphose des Patriarchats. Horlemann, 2000.
• Scholz, Roswitha. „Der Wert ist der Mann“. Exit! Krise und Kritik der Warengesellschaft, 2017 1992, https://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=schwerpunkte&index=3&posnr=20&backtext1=text1.php.
• Scholz, Roswitha. Maria breit den Mantel aus - Produktion und Reproduktion in der Krise des Kapitalismus. 2012, https://www.exit-online.org/druck.php?-tabelle=autoren&posnr=461.
• Voß, Heinz-Jürgen, und Salih Alexander Wolter. Queer und (Anti-)Kapitalismus. 3., Durchgesehene Auflage, Schmetterling Verlag, 2019.